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Die Jubiläums-Review – Vinylrausch #50

Der Vinylrausch ist 50 geworden, wer hätte das gedacht!

Zwei Ortswechsel und eine Pandemie haben uns aufgehalten, darum hat es etwas gedauert, war dann aber am 17.11.22 in der wunderbaren Sputnik-Bar auch etwas ganz Besonderes.

Programm zum Vinylrausch #50

Mark Fridvalszki - GemäldeDazu haben in erster Linie unsere Gäste an diesem Abend beigetragen: Szabolcs ‘Szabi‘ Bognár war ein überaus angenehmer und kompetenter Gesprächspartner und hat nicht nur einige Bandmitglieder mitgebracht, sondern auch sein Debütalbum ‘Invocation‘, das er als Bandleader der Gruppe Àbáse in Budapest aufgenommen hat.

Mark Fridvalszki hat sich als Künstler mit den Parallelen zwischen dem Aufbruch der Fusion-Musiker in neue musikalische Welten und den politischen Umwälzungen 1989/90 beschäftigt. Er hat uns ein aktualisiertes Fanzine und eine großformatige Arbeit auf Basis des Covers von ‘Return to Forever‘ mitgebracht.

Die Zukunft – inmitten der Vergangenheit

Begonnen haben wir die #50 natürlich mit dem gerade 50 Jahre alte gewordenen Album des Monats ‘Return to Forever‘ von Chick Corea. Ausgebildet als klassischer Pianist hat Chick Corea erst nach dem legendären Anruf von Miles Davis das elektrische Piano, die Fender Rhodes für sich entdeckt. Corea ist in seinen Fusion-Projekten bei diesem Instrument geblieben, denn es kann mit der Lautstärke von elektrisch verstärktem Bass und Gitarre besser mithalten als ein Piano. Szabolcz Bognár spielt selbst auch Fender Rhodes und hat uns darauf hingewiesen, dass der spezielle Sound dieses Instruments musikalische Flächen ausfüllen kann, weil die Töne lange im Raum stehen und nachschwingen.

Die erste Aufnahme, die Chick Corea mit Miles Davis gemacht hat, war das bahnbrechende, von Jimi Hendrixs ‘The Wind Cries Mary‘ inspirierte ‘Mademoiselle Mabry‘ auf dem Album Filles de Kilimanjaro. Wie Miles Davis von Betty Mabry mit Hendrix und Sly Stone bekannt gemacht wurde und seinen elektrischen Jazz dann mit dem durchschlagenden Beat der modernen Rockmusik verbunden hat, haben wir bereits zur Halbzeit, beim Vinylrausch #25 gehört!

Chick Corea Return to Forever Label

Zurück in die Ewigkeit

Für ‘Return to Forever‘ hat Chick Corea Musik komponiert, die vor Kraft und Energie zu bersten scheint und dabei doch leicht und luftig klingt. Die Bandmitglieder reagieren sensibel aufeinander. Sie nehmen Melodielinien oder rhythmische Figuren der Kollegen auf und entwickeln sie weiter, jeder auf seine Weise. Der erst 19-jährige Stanley Clark klingt in seinen entwickelten Soli erstaunlich selbstbewusst, Airto Moreira treibt mit komplexen Rhythmen an und Joe Farells Flöte harmoniert wunderbar mit Flora Purims wortlosen Gesangsimprovisationen. Motiviert, gefüttert und verbunden werden sie aber durch die perlenden Läufe von Chick Corea und den lange nachklingenden Sound des elektrischen Pianos.

Für diese Art von Musik sind die Hans Deutschmann-Boxen unserer Vinylrausch-Anlage ideal, sie produzieren einen durchsichtigen Klang, in dem jedes Instrument offen im musikalischen Raum zu stehen scheint. Ein echtes und beeindruckendes Hörerlebnis, von dem viele Gäste beeindruckt waren!

»Ich kenne das Album in- und auswendig, aber hier, und das geht mir immer so, hier beim Vinylrausch höre ich plötzlich Sachen, die ich noch nie gehört habe. Es ist faszinierend.«
Thomas, Vinylrausch-Besucher.

Vinylrausch #50 in der Sputnik-Bar

Die ‘Anrufung‘ (Invocation) der  Vergangenheit

Nicht weniger gut klang im Anschluss eine aktuelle Pressung von 2019, das Debüt der Band unseres Gastes Szabolcs Bognár mit dem Titel ‘Invocation‘. Man hört dem Album deutlich an, wie fasziniert Bognár von dem groovigen Fusion-Sound Chick Coreas ist. Bognárs rhythmusbetontes Spiel gibt der Musik auf dem Album zusammen mit den treibenden, von vielen Fills und Verzierungen geprägtem Schlagzeugspiel eine unaufgeregte Dynamik. Die präsente Flöte schwebt als Soloinstrument über den sich wiederholenden Groove-Pattern, die von Bognárs Faszination für brasilianische Rhythmen geprägt sind. Dieser filigrane Sound erinnert bei zwei der Titel auf der A-Seite deutlich an ‘Return to Forever. Die Band lebt von ihrer großen Spielfreude und der Lust, ihren eigenen, aus Jazz und Hip-Hop kommenden Hintergrund in einem großen Bogen mit ihrer Faszination für die Geburt des Fusion-Jazz zu verbinden. Eine wunderbare Entdeckung mit einem wirklich tollem Sound.

Die Verkündigung des Groove

Mit ‘Abraxas‘ von Santana haben wir dann noch ein weiteres echtes Schwergewicht aufgelegt. Das auf diesem Album die afro-kubanischen Rhythmen in der Rockmusik angekommen sind, davon kündet schon das programmatische Cover: Ein weiblicher Erzengel schwebt auf einer Conga-Trommel zu der schwarzen Jungfrau, die sich provokant offen und mit einer Friedenstaube im Schritt auf ihrem bunten Thron räkelt. Das Bild von Mati Klarwein hat Carlos Santana in einer Zeitung entdeckt und gegen den Willen der Plattenfirma durchgesetzt. Es steht perfekt für eine Musik, deren berstende Energie von einem Percussion-/Schlagzeug-Trio aus zwei Conga-Spielern und einem Rock-Schlagzeuger geprägt ist.

Abraxas Cover full

‘Abraxas‘ lebt aus seiner Vielfalt: neben den von treibenden Percussionläufen geprägten Songs wie ‘Black Magic Women‘ oder ‘Se A Cabo‘ gibt es mit ‘Oye Como Va‘ eine Reminiszenz an den lateinamerikanischen Jazz der Sechziger, mit ‘Hope Your Feeling Better‘ eher klassischen Bluesrock und mit ‘Incident at Neshibur‘ sogar psychedelische Rockklänge zu hören. Diese belebend abwechslungsreiche Mischung hat uns auf das Beste unterhalten und für eine erstaunlich große Anzahl an Zuhörern und Zuhörerinnen den Vinylrausch #50 würdig abgeschlossen.

Mark Fridvalszki - Gemälde

Vinylrausch #50
1. Àbáse – Invocation (2019)
2. Santana – Abraxas (1970)
3. Chick Corea – Return to Forever (1972)
4. Die Jubiläums-Review – Vinylrausch #50

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