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„Ja-sagen — Nein-sagen: das gewaltige Hokuspokus des Daseins beschwingt die Nerven des echten Dadaisten …“

aus: Richard Huelsenbeck, „Dada Manifesto“ (1918)

31Aug 21
News und Termine

Ein gewaltiger Hokuspokus: der dadaistische Vinylrausch #40

Einige haben es geahnt, andere befürchtet: Der Vinylrausch #40 wird ein dadaistischer Rausch werden!

Wir werden mit unserem kleinen musikhistorischen Seminar fortfahren und wollen dabei auch was zu lachen haben. Da kommt Dada gerade recht: Es sprengt die Grenzen der Kunst, geht neue Wege und will Spaß machen – das paßt perfekt zum Vinylrausch.

Album des Monats ist aus aktuellem AnlassWe’re Only In It For The Money’ von Frank Zappa and The Mothers. Zappa wirbelt hier alles zusammen, was er auf den Spuren seiner nagelneuen 12-Ton Bandmaschine finden kann.
Pop-Songs werden zerschnitten und unterbrochen, Hippies an ihren Markenkern erinnert und Erinnerungen an Pennäler-Witze in Doo Wop-Melodien gepackt.

Unser Vinylrausch findet am 16.09. statt – an einem solchen 16.09. hat vor vielen Jahren, irgendwann in den Siebzigern, ein dreizehnjähriger Schüler die Stimme von Frank Zappa zum ersten Mal gehört, am hellen Nachmittag im NDR-Radio. Zappa hat als DJ dort Platten aufgelegt und dabei neben Varese, Webern und Stravinsky auch Howlin’ Wolf gespielt.
Zur Einstimmung auf die folgenden Klangcollagen hören wir darum einen den herausragenden Vertreter des Chicago-Blues von seiner wichtigsten Platte, dem sogenannten ‘Rockin Chair’-Album.

Neu, poppig und experimentell kommt Jerskin Fendrix auf seinem Debüt ‘Winterreise’ daher: überraschende Popmusik, die mit jazzigen Improvisationen, Hard-Rock Riffs und klassischen Pianopassagen angereichert ist. Eine Collage voller Finten und Sprünge und ein ganz besonderes Album!

Dieser »gewaltige Hokuspokus« wird unsere »Nerven beschwingen« –
ganz im Sinne der Dadaisten …

20Aug 21
Rauscharchiv

Der haarige Rausch – VR #39 Review

Man könnte sich schon fragen, ob wir klassische, weit verbreitete und bekannte Alben wirklich auch noch beim Vinylrausch auflegen sollten, oder ob man sich das nicht eher zugunsten unbekannter Entdeckungen ersparen kann. Kann man nicht!

Der haarige Rausch #39 war der eindrucksvolle Beleg für die besonderen Erfahrungen, die wir beim Vinylrausch immer wieder machen: konzentriert, mit mehreren Leuten und in einem dunklen Raum hört man Dinge, die einem in allen anderen Hörsituationen offensichtlich entgangen sind.
Weiß die Hölle, warum das so ist …

Es könnte etwas mit der Lautstärke zu tun haben: Ein Album gewissermaßen als Konzert zu hören, öffnet die Ohren für filigrane Details, für die Geräusche eines auf einer Gitarrensaite zurückrutschenden Fingers, für die Tiefe des Halls auf einer Gesangsstimme oder den im Hintergrund nervös pochenden Bass. Als Zuhörer ist man einfach voll da, taucht in die Musik und hat nichts anderes zu tun, als eben zuzuhören.

Das haben wir beim Vinylrausch #39 besonders bei ‘Déjà Vu’ von Crosby, Stills, Nash & Young getan. Die Songs kennt jeder, wir haben sie tausendmal gehört in allen möglichen Fassungen, Live, als Cover-Version, zu zweit, zu dritt gespielt – es sind verdammt gute Songs, die wir an diesem Abend in ihrer Originalfassung genießen durften.

Tatsächlich hat ‘Déjà vu’ beim Vinylrausch brillante Arrangements und eine wunderbar filigrane Mischung offenbaren können. Es war schon ein begnadetes Quartett von Songschreibern, die sich auf diesem Album gegenseitig kontrolliert und kreativ angespornt haben. Auch wenn Neil Young von dem Perfektionsdrang seiner Kollegen immer wieder genervt war – allen voran der kaum zufrieden zustellende Stephen Stills – die Dramaturgie der Stücke, die Arrangements und die Mischung ist beeindruckend perfekt.

Wir sind in eine musikalische Blase eingetaucht und konnten beim Vinylrausch diese fantastische Musik geradezu mit Händen greifen. Michael, der uns die Classic Records-Pressung mitgebracht hat, war von dem räumlichen Klang beeindruckt: »Die Bühne ging weit über das übliche Dreieck hinaus. Es war schon fast 3D.«
Ingo, Vinylrausch-Fan der ersten Stunde, beschreibt das in seinem Kommentar zu diesem Rausch so: » … ein Hörgenuss allererster Sahne, ein Klangerlebnis und eine ‘Neu’entdeckung eines (mich) über die 47 Jahre begleitenden Meisterwerkes«. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Danke an Lutz und Michael, die uns zwei hervorragende Pressungen – die gerade erst zum 50. Jubiläum des Albums bei Rhino Records erschienene Fassung und eine vom Half-Speed Master gezogene Classic Records von 2003 mitgebracht haben!

Dieser musikalische Kokon wurde von Isreal Nash mit seinem melodischen Country-Rock auf ‘Silver Season’ weitergesponnen. Erstaunlich kraftvolle Songs von einer Band, die die Steelgitarre zum Weinen bringen kann. Der Sound des 2015 erschienenen Albums war dem Vorgänger ebenbürtig, vielleicht sogar noch etwas durchsichtiger und ausgewogener, besonders in den Höhen.

Eingeleitet hatte den Abend eine Erstpressung(Cover) bzw. Zweitpressung(Vinyl) von Rare Earths ‘Ecology’: mitreissend rockiger Soul oder feinster souliger Rock, wie auch immer man diese von Motown herausgegebene Mischung nennen soll. Die drei groovenden Titel der A-Seite klangen nach einer jahrelang eingespielten Jam-Band, die die feinen Norman-Whitfield Arrangements mit großer Sicherheit und einem perfekten Gefühl fürs Timing auf den Punkt gebracht haben.

Was wir noch nicht klären konnten, ist der Titel des Albums: falls jemand sagen kann, warum es Ecology genannt wurde, wir würden uns über einen Hinweis in den Kommentaren freuen!

Ein wirklich schöner Abend, nach der langen Zeit ohne analogen Vinylrausch für die anwesenden Musikfans ein erleichterndes Erlebnis.

Bandfoto: Henry Diltz / Warner/Rhino-Music

13Jul 21
News und Termine

Der Rausch ist zurück!

Wir können es selbst noch nicht richtig glauben, aber wenn alles glattgeht, wird es am 19. August um 19:30 Uhr wieder einen Vinylrausch geben. Mit allem Drum und Dran: im Sputnik, von Vinyl, laut – und zusammen!

Zu dieser Feier der Wiedergeburt des Vinylrausch legen wir zuerst eine weiße Soul-Band auf. Für ihr zweites Album ‘Ecology’ haben Rare Earth 1970 nur Hits aufgenommen – und dabei sogar einen Folkrock-Song von Crosby, Stills & Nash in einen groovenden Dance-Track verwandelt.

Damit kommen wir auf die Spur eines vor kurzem 50 Jahre alt gewordenen Meisterwerks: Crosby, Stills & Nash sind 1970 über ihren Ego-Schatten gesprungen und haben ihren vielstimmigen Harmoniegesang mit einem schönen Falsett und einer krachenden E-Gitarre angereichert: ‘Dejá Vu’, das Debüt zusammen mit Neil Young, wird mit Klassikern wie ‘Our House’, ‘Woodstock’ oder dem noch immer packenden ‘Almost Cut My Hair’ unser Album des Monats sein!

Israel Nash hat 2015 mit ‘Silver Season’ ein großartiges, modernes Folkrock-Album veröffentlicht. Mit Songs, die nach Gestern und Heute klingen, nach Schmerz und Erlösung, nach Authentizität und psychedelischer Verwirrung. Auch dieses Album werden wir zur Feier unserer Wiedergeburt ganz hören!
Macht euch bereit, der Rausch ist zurück! Natürlich unter Berücksichtigung aller sicherheitsrelevanten Maßnahmen … ;-)

Ihr könnt euch für diesen ‚haarigen‘ Rausch jetzt hier anmelden!

Im Prinzip ist das hier die perfekte Veranstaltung.
Georg nach seinem ersten Vinylrausch XV

Kosmische Brocken

Zum 80. von Frank Zappa
Am 10.12. im Sputnik-Kino

 

Es war ein tolles Erlebnis, hat uns sehr gut gefallen.
Rene und Anita nach ihrem ersten Vinylrausch III

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