Genug Gründe, um wütend zu sein, haben wir derzeit ja: Kriege sind nicht mehr nur möglich, sie werden auch reihenweise vom Zaun gebrochen, machtgeile Narzissten haben nicht nur in der Politik, sondern auch in vielen einflussreichen Firmen das Sagen, der rechte Backslash verunglimpft engagierte Buchhandlungen, der grundsätzliche Backslash meint mit Strategien von Gestern das Morgen gestalten zu können, Stichwort Verbrenner, Atomkraft etc.
Damit einhergehend nehmen die Umweltzerstörung und die Klimakrise nicht ab, sondern zu. Letztlich aus dem Grund, weil niemand von uns sich auch nur im Kleinsten beschränken mag, einmal erreichtes für immer zu gelten hat und das von vorn bis hinten unplausible Wachstumsdiktat immer noch das Maß aller Dinge ist …
Dass unsere aktuellen Probleme seit vielen Jahrzehnten bekannt sind und einfach nicht gelöst werden, war die erschreckende Erkenntnis dieses wütenden, aber auch irgendwie befreienden Abends.
Antikriegslieder, mit der dunklen Macht im Bunde
Black Sabbath haben sich um 1970 als Nische den Horror-Rock ausgesucht, beeinflusst durch die große Begeisterung für Horrorfilme zu der Zeit. (Die hat übrigens auch Frank Zappa inspiriert, Stichwort Cheepnis …). Entsprechend hieß der erste Song des Albums lange Zeit Walpurgis, das dann zu dem ähnlich klingenden War Pigs umgeschrieben wurde. Auch die ersten Zeilen, in denen Hexen und Ratten beschworen werden, deuten auf diese Vergangenheit des Songs hin.
War Pigs ist eine flammende Anklage gegen Krieg und Kriegshetzer geworden und sollte auch das gesamte Album benennen, bevor dieser Titel von der erfolgreichen Single Paranoid verdrängt worden ist. Der Texter der Band war Bassist Geezer Butler und es bleibt bis heute erstaunlich, wie offen und schonungslos er in Paranoid über seine Depression berichtet.
Beim wütenden Vinylrausch #83 hat uns die Aktualität der Songs verwirrt – sie klingen, als hätte es in den über fünfzig vergangenen Jahren keine wirkliche Entwicklung gegeben. Der Sound der LP, ein Remix und Reprint von 2012, war fantastisch: luftig, mit großer Bühne und ausreichend Druck in den Bässen.
»Das Schlimmste, was ich je in meinem Leben gehört habe« (Berry Gordy)
Der Motown-Produzent Berry Gordy wird seine erste Reaktion auf die Single Whats Goin On nach dem durchschlagenden Erfolg sicher korrigieren. Marvin Gaye erhält dadurch die Chance, eine der entscheidenden Alben des Soul aufzunehmen – gespeist aus den Erfahrungen seines Bruders als Vietnamheimkehrer.
Beim Vinylrausch #83 war das vor fünfundfünfzig Jahren erschienene Album ein starker, aber funktionierender Kontrast zu dem getragenen Hardrock von Paranoid. Marvin Gaye berührt auch heute noch mit nachdenklichen Texten und der wunderbar vielschichtigen, lebendig pulsierenden Musik.
»Wann, wenn nicht heute?«
Mit The Battle of Los Angeles haben wir dann zum dritten Mal dieselbe Erfahrung gemacht: wieder klangen die Texte verstörend aktuell, siebenundzwanzig Jahre später … Rage Against The Machine eröffneten im Jahr 2000 die Protestveranstaltung gegen den Kongress der Demokraten mit dem Satz: »Brothers and Sisters, our democracy has been hijacked!«. Ein Satz, der in Amerika derzeit wieder zum Leben erweckt wird.
TBOLA klingt vom ersten Ton an nach Protest und Aufruhr. Zu treibenden Rhythmen und emotionaler Gitarre und natürlich in den wütenden Anklagen von Sänger Zack de la Rocha rechnen die Songs mit dem Krieg als Möglichkeit der Politik, mit militärischer Logik und der Normalisierung von Gewalt in der Gesellschaft ab.
Das Album wurde mit spontanem Applaus verabschiedet, die treibende Wut war erlösend, auch wenn der Sound der Neunziger mit den beiden vorherigen Platten nicht mithalten konnte.
Ein sehr unterhaltsamer Abend, der trotz der ernsten Themen von vielen Lachern und erhellenden Gesprächen begleitet wurde.
Pop, Rock und Psychedelic – der VR #81 ist eine fließende Kombination aus musikalischen Erzählungen, rhythmischer Spannung und britischer Leichtigkeit.
Pop, Rock und Psychedelic – der VR #81 ist eine fließende Kombination aus musikalischen Erzählungen, rhythmischer Spannung und britischer Leichtigkeit.
The Original Soundtrack bietet trockenen englischen Humor in einer theatralischen Mini-Rockoper und einem zuckersüßen Charts-Hit. Eine Entdeckung, beim VR #43 und beim VR #81.
2024
Rosalie Cunningham – To Shoot Another Day
To Shoot Another Day – geniale Popsongs, moderner Prog-Rock und frischer Canterbury-Sound – unser Album des Monats beim VR #81
Eine verblüffende Verbindung über 52 Jahre Musikgeschichte und eine "kosmische Post-Punk Dystopie" als reinigendes Gemeinschaftserlebnis.
1970
Taste – On The Boards
On The Boards ist in seiner Bandbreite und für Rory Gallagher ein ungewöhnliches Album: akustischer Folk, schwebender Jazz und tiefer Blues beim VR #80
2017
The Jimmy Cake – Tough Love
Tough Love war beim VR #80 eine im wahrsten Sinne berauschende Erfahrung – ein sich auftürmendes Klanggebirge mit großem Sound!
2022
Fontaines D.C. – Skinty Fia
Skinty Fia hat uns mit seinen wunderbaren Songs, den feingestrickten Texten und dem dringlichen Gesang beim VR #80 fasziniert.
Ein besonderer Rausch zu einem besonderen Jubiläum: Zehn Jahre danach noch einmal One Size Fits All, eingerahmt von zwei echten Schwergewichten!
1975
Frank Zappa – One Size Fits All
Mit One Size Fits All fing alles an – darum war es unser Album des Monats sowohl beim Vinylrausch #1, als auch 10 Jahre später beim VR #79 …
1976
Hermann Szobel – Szobel
Szobel (1976) war der herausragende Abschluss des VR #79 und passte perfekt sowohl zu Frank Zappa UND Igor Stravinsky. Verblüffend reife Musik!
2023
Igor Stravinsky – Le Sacre du Printemps
Le Sacre du Printemps in einer Aufnahme von Claudio Abbado von 1976 hat uns als Auftakt zum VR #79 gehörige durcheinander gerüttelt. Fantastischer Sound und großartige Musik!