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Die runde Review – Vinylrausch #78

Die These, dass wir es dieses Mal mit einem runden Rausch zu tun haben, war etwas gewagt. Gerne lasse ich mich während des Vinylrauschs von dem während der Veranstaltung doch immer noch mal anderen Eindruck überraschen. Aber nach einigen Zweifeln an der ursprünglich geplanten Konstellation, schienen diese drei Bands schon während der Vorbereitung perfekt zueinander zu passen. 

»Dies ist eine Warnung«: ein zu Unrecht vernachlässigtes Album 

Gypsy sind eine amerikanische progressive Folk-Rock Band, deren gleichnamiges Debütalbum vor 55 Jahren erschienen ist. Darauf eine spannende Mischung aus Folk-Rock und Harmoniegesang, dazu Jazz-Rock-Elemente, Sechzigerjahre Popmelodien und in den treibenden Stücken auch immer wieder lateinamerikanische Percussion, die an die frühen Santana erinnern. 

In der Diskussion nach dem Album wurde die erste Seite als Song orientierter wahrgenommen. Auf der zweiten Seite sind die Stücke dann länger und die Progressiv-Rock-Elemente wie wechselnde Instrumentierung, Gitarren- oder Orgelsoli sowie lange instrumentale Passagen werden deutlicher. Dazu kommen orchestrale Parts, die in erster Linie von Streichern getragen werden – arrangiert von dem Filmkomponisten und Orchesterleiter Jimmie Haskell. 

Für viele war dieses zu Unrecht wenig wahrgenommene Album eine Entdeckung aus den Anfangstagen des Progrock. 

Helle Erleuchtung und langsame Schwingungen

Die Erwartungen an Pink Floyd waren so unterschiedlich wie die Kommentare, die zu dem Album zu finden sind. Für die einen zählt es zu den Leuchttürmen des Progressivrock, für andere ist es der kommerziell orientierte Abgesang einer einstmals wegbereitenden Band. 

Auf jeden Fall ist Wish You Where Here eine Art Biografie der Probleme des Gründungsmitglieds Syd Barrett, der überraschend als Gast im Studio aufgetaucht ist. Es ist aber auch die Autobiografie einer nach dem Mega-Erfolg von Dark Side of the Moon orientierungslosen Band – und ein kritischer Kommentar zur Entfremdung des Künstlers in der kommerziellen Musikindustrie. 

Unter den Zuhörern im Sputnik fanden sich beide Fraktionen, die von vornherein begeisterten Fans und die auf gepflegte Langeweile gefassten Kritiker. Der A-Seite von WYWH ist es dann gelungen, beide Seiten in Ihren Bann zu ziehen: Der Sound dieser von versierten Musikern erzeugten Klangwelt hat niemanden kaltgelassen. Die filigrane Konstruktion, das emotionale Gitarrensolo von David Gilmour und die ständig neu entstehenden melodischen Fragmente sind ein großes Kunstwerk, das vielleicht nur etwas zu gut in unserem musikalischen Gedächtnis verankert ist. 

Wilde musikalische Gewässer und überbordende Soundideen 

Carpet ist es mit ihrem Album Elysian Pleasure dann gelungen, uns davon zu überzeugen, dass die guten Zeiten vor uns und nicht hinter uns liegen! Die Band hat mit dem Album von 2013 eine ungemein lebendige, faszinierend instrumentierte Version modernen Progrocks geschaffen. Psychedelische Elektrosounds werden mit pulsierenden Beats gemischt, eine sanfte Jazz-Trompete wird in dem tosenden Klanggewässer von ’Man Changing the Atoms’ zu einem wild flatternden Segel und die leicht verfremdet klingende Gesangsstimme bewegt sich sicher durch jede Untiefe: Moment is completing you, when there is nothing else to do … 

Erstaunlich, wie souverän dieses Album den Faden Floydscher Klangkonstruktionen aufgegriffen und in ein stürmisches Wechselbad verwandelt hat. Dass die Band neben sanften psychedelischen Nebeln auch aufbrausenden Stoner-Rock und filigrane Jazz-Netze miteinander verbinden kann, hat sie mit einem ihrer in unseren Breiten leider seltenen Auftritten im letzten Jahr in der Neuen Zukunft bewiesen. Eine echte Entdeckung, die von den Vinylrauschgästen im bis auf den letzten Platz gefüllten Sputnik mit andächtiger Begeisterung gewürdigt wurde. Ein auch im Nachhinein ungewöhnlich runder Vinylrausch … 

Carpet, live am 21.01.24 in der Neuen Zukunft in Berlin

Vinylrausch #78
1. Carpet – Elysian Pleasure (2013)
2. Pink Floyd – Wish You Were Here (1975)
3. Gypsy – Gypsy (1970)
4. Die runde Review – Vinylrausch #78
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