Wieder ein Vinylrausch, der mit denkbar guten Voraussetzungen ins Rennen ging: Das Album des Monats Mogul Thrash war vor 55 Jahren erschienen und eine wenig beachtete Entdeckung. Der persönliche Bezug von Bandleader James Litherland zu James Blake brachte ein stilistisch vollkommen anderes, vierzig Jahre später erschienenes Album ins Spiel. Und in diesem Mood ging es mit den düsteren Elektronikern von Phal:Angst am Abend vor der offiziellen Veröffentlichung ihres Albums Minor Tremors weiter.
James Litherland – der perfekte Rocksänger?
James Litherland ist ein hervorragender Gitarrist mit einer beeindruckenden Rockstimme – zwei Eigenschaften, die er auf den ersten beiden Alben von Colosseum unter Beweis stellte. Nach Konflikten mit Bandleader John Hiseman und Streit über ungleich verteilte Gagen schied er nach Valentine Suite aus der Band aus und versuchte es mit einer eigenen Band, der James Litherland Brotherhood. Daraus ist dann schnell Mogul Thrash geworden, die ihr gleichnamiges Debüt und einziges Werk 1971 veröffentlichen konnten.
Gehört haben wir damit beim Vinylrausch #87 ein nahezu perfektes Jazz-Rock Album. Der Klang war durchsichtig und das Klangbild für ein Album von 1971 verblüffend ausgewogen. Die akzentuierenden Bläsersätze waren darin genauso kompakt integriert, wie die nie zu sehr ausufernden Gitarrensoli von Bandleader und Sänger James Litherland. Dessen Stimme hat viele Songs getragen: energisch, hoch und klar kann er sich in der dichten Musik durchgängig behaupten. Sehr gut zu hören war auf der Vinylrausch-Anlage auch der prägnante Bass von John Wetton, der seine rhythmischen Freiheiten zu ausgiebigen, melodischen Streifzügen nutzt. Ein einhellig begeistert aufgenommenes Album.
Ich verurteile sie nicht: Abbrüche, Pausen und verfremdete Sounds bei James Blake
Ganz im Gegensatz zu seinem Vater, vielleicht auch nach den frustrierenden Erfahrungen, die sein Vater im Rock-Business gemacht hat, komponiert und spielt James Blake seine Songs auf seinem vor fünfzehn Jahren erschienen Debüt komplett selbst. Der Hintergrund dieser ebenso ungewöhnlichen wie introvertierten Musik wird hier auf dieser Webseite und ausführlicher im Vinylrausch Musikmagazin, zweite Ausgabe, erläutert.
Das Album James Blake ist hervorragend produziert, die filigran gesetzten, wie die Stimme vielfach verfremdeten und verwischten Sounds sind geradezu schmerzhaft präsent, die tiefen Bässe haben den ganzen Körper bewegt. Die meisten Zuhörer waren von dieser ungewöhnlich innerlichen Musik beeindruckt, für einige Rockfans war sie dagegen zu ungewöhnlich und konstruiert. Trotzdem: ein wirklich beeindruckendes Sounderlebnis.
Lange Schleifen und »leichte Erschütterungen«
Mit den düsteren und intensiven, auf ganz andere Weise reduzierten Soundteppichen von Phal:Angst ging dieser Vinylrausch in einem großen Bogen zu Ende: Zum ersten Mal haben wir ein Album auflegen können, das offiziell erst am nächsten Tag erschienen ist. Statt Pausen und Aussetzern gab es hier jetzt lange, von drone-artigen Sounds durchwirkte Melodieschleifen in einer Mischung aus elektronischen Sounds, verzerrten Gitarren und darin eingewobenen Cut-up-Samples aus Filmdialogen.
Die Stimmung dieser langsam sich aufschaukelnden, düsteren Beschwörungen passte als musikalisches Produkt einer Band erstaunlich gut zu den in Musik gegossenen Selbstzweifeln des Solisten James Blake. Für einige der Zuhörer war Minor Tremors die Entdeckung des Abends! Für einige andere zu zurückhaltend …
Alles in allem war der Vinylrausch #87 ein großer Bogen, der in idealer Weise unterschiedliche Musik miteinander verbunden hat.