Das perverse 'Dynamic Pricing' hat mir nun endgültig den Spaß an großen Konzerten verdorben. Nicht mit mir, ausgerechnet bei Neil Young ...
Was wir tun können
Wie viele andere, kann auch ich mich herrlich über unfähige Politiker, gierige Unternehmer und aalglatte Lobbyisten aufregen. Allerdings glaube ich gleichzeitig daran, dass wir hier und jetzt, heute und sofort etwas an den Verhältnissen ändern können. Das kann in hitzigen Diskussionen immer wieder genervtes Abwinken erzeugen – warum eigentlich?
Weil es unbequem ist, denn wenn sich die Verhältnisse ändern sollen, werden zuallererst wir etwas an unserem Verhalten ändern müssen – und dazu gehören neben lieb gewonnenen Gewohnheiten manchmal auch spezielle Genüsse oder das etwas anstrengende Erwachen aus der lähmenden Lethargie unserer überversorgten Gegenwart.
Dabei ist meine persönliche (Hafer-)Strategie sehr einfach: nachdem die Haferpreise für ungeschälte Körner immer weiter gestiegen sind, wird mal ein halbes Jahr darauf verzichtet (schweren Herzens natürlich) und die schon durchgedrehten Flocken verwendet. Und siehe da: Die Preise sinken. Ganz vergleichbar funktioniert auch die (Camembert-)Strategie: nachdem der große Laib bei dem einen Diskounter auf mehr als vier Euro gestiegen ist, bin ich ausgestiegen. Und sieh da: nach einigen Monaten sinkt der Preis wieder, bis dahin hat mich die einen Euro günstigere Konkurrenz bedient. Da sage noch einer, man kann sowieso nichts machen …
Der Columbia-Aufruf
Die Columbiahalle geht jetzt noch einen Schritt weiter und nimmt das zum Verzweifeln bescheuerte große Ganze ins Visier! Die von der eigenen Unausstehlichkeit ganz berauschten Konzern- und Weltenlenker verstehen sich selbst ja als irgendwie genialische Deal-Maker – da ist Boykott der einzige Hebel. Meint die Columbiahalle und dem kann ich nur beipflichten: Boykott (oder Verzicht) wirkt. Er fängt auf der allerersten Eben an: bei uns!
Also los, verändern wir die Welt: keine Bestellungen mehr bei großkotzigen Venedig-Besetzern (No Pesos for Bezos!), keine Ausbeutung von unbedarften indischen Möchtegern-Studenten, kein Walfleisch von empfindsamen Lebewesen … Undsoweiterundsofort, wer da noch Ideen hat, her damit.
Aber hier erst mal der Aufruf an alle Veranstalter, Besucher und Verbraucher: lest euch die kluge Argumentation des Columbia-Theater durch, schüttelt euch und seid dabei.
Einer muss es ja tun.

