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Pop, Rock, U- oder E-Musik

Mit den musikalischen Neuerscheinungen kommt man ja kaum noch mit. Zu viele Stile, zu viele Tummelplätze, zu viele Distributionskanäle, zu viele digitale Möglichkeiten.

Die Pandemie scheint das ganze noch zu steigern, zumindest was die Solokünstler angeht, die mit ein paar Programmen und einem Laptop gut klarkommen. Diese Arbeitsweise ist heute nicht unüblich – siehe Richard Dawsons tolles Album ‚2020’, das wir beim vermutlich letzten Vinylrausch ever mit der #38 noch hören durften.

James Blake Debut Cover FrontProgramme und Computer gibt es aber schon etwas länger, sodass uns z. B. 2011 James Blake mit einem berührenden Debüt aus seinem Computer überraschen konnte. Eine wirklich beeindruckende Platte, mit der ich mich gerade noch mal ausgiebig beschäftigen durfte, weil der Vinylrausch #07, bei dem wir James Blake und das markerschütternde ‘Limit To Your Love’ gehört haben, Teil der zweiten Ausgabe des VINYLRAUSCH MUSIKMAGAZIN sein wird.

Blake hatte vor dem Debüt eine EP herausgebracht mit dem deutschen Titel ‘Klavierwerke’. Sie war gleichzeitig sein Abschluss am berühmten Goldsmith College, an dem übrigens auch John Cale schon sein Faible für Le Monte Young entwickeln durfte. Wie in England üblich, hat Blake sich damit als Künstler in eine ungebrochene Traditionslinie gestellt, die von der klassischen Musik zum Rock und weiter zur modernen elektronischen Musik verlängert wurde. In Deutschland wird dagegen auch heute noch auf die saubere Trennung der U- und E-Musikmärkte geachtet.

Mit Jerskin Fendrix stellt sich jetzt ein weiterer Solokünstler mit ordentlicher Musikausbildung in diese Linie: Sein markerschütternd schräges Pop-Debüt heißt ‘Winterreise’ und ist ein kleiner Trost in dunklen Zeiten.

‘Klavierwerke’ und ‘Winterreise’: Zwei Engländer, zwei studierte Musiker und zweimal der Bezug zur deutschen Klassik. Warum? Bitte ankreuzen:

  • Kommilitonen und Dozenten beeindrucken
  • Auf dem englischsprachigen Musikmarkt auffallen
  • historische Musikkenntnisse aufzeigen
  • Anschluss an musikalische Traditionen herstellen, die über Rock/Pop hinausgehen

Rezension auf vinyl-fan.de

Das Vinylrausch Musikmagazin hat von dem Vinyl-Fan Manfred Krug eine überaus freundliche Rezension bekommen. Und der Mann kennt sich aus: Auf seiner Webseite vinyl-fan.de bietet er haufenweise praktische Tipps zum Thema Vinyl, etwa zu Plattenwaschmaschinen, der Nadelreinigung oder der richtigen Lagerung von Schallplatten.

Im Zentrum steht aber die Musik. Und da geht es tatsächlich um sehr viele der Alben, die hier bei uns auf Vinyl erschienen sind. Krug hört sich durch die neu auf den Markt gebrachten Scheiben und schätzt deren Qualität sicher ab. Er geht dabei auch auf die Pressqualität ein, die ja leider immer wieder Thema und Anlass zu heftigen Diskussionen ist. Sein Fokus liegt aber auf ausführlichen Musikbeschreibungen und Rezensionen. Beeindruckend vielfältig deckt er stilistisch weit auseinandergehende musikalische Welten ab – eine Fundgrube für jeden, den die schiere Masse an neuer Musik ein wenig orientierungslos macht.

Webseite vinyl-fan.de

Eintrag zum Vinylrausch Musikmagazin

Im Land von Gestern und Heute

Es gab einen Kommentar bei jpc, der hat das VINYLRAUSCH MUSIKMAGAZIN, und damit natürlich auch den Vinylrausch, als »nostalgisch« bezeichnet. Hmm.

Sind wir ›nostalgisch‹, weil wir in Vergessenheit geratene Kunstwerke wieder aus dem Regal ziehen und so laut und konzentriert hören, als wäre es das erste Mal? Bin ich ›nostalgisch‹, wenn ich hier das verwirrend schöne Album ‘In The Land of Grey and Pink’ von Caravan – voller wunderschöner Melodien, glasklarer Gesangsstimme, abgedrehter Texte und einiger der groovigsten Orgel-Soli, die man sich nur vorstellen kann – über den grünen Klee loben und allen Musikfreunden mit offenen Ohren an dieselben legen möchte?

Für mich ist das alles einfach nur gute Musik, egal ob von heute oder gestern, aus dem letzten Jahr, von vor 50 oder 70 Jahren. Es gibt heute gute, schlechte oder langweilige Musik genau so wie früher. Vielleicht gibt es heute mehr Musik als früher, weil es einfacher zu produzieren ist und mehr Menschen Zugang zu Produktionsmitteln haben – man braucht ja heute weder ein Klavier noch ein Studio um gute Musik in guter Qualität aufnehmen zu können, siehe bzw. höre ‘2020’ von Richard Dawson beim letzten Vinylrausch #38.

Aber selbst das wage ich zu bezweifeln, zumindest gibt es für mich heute wie früher unheimlich viel gute Musik zu entdecken – und wieder zu entdecken. Das werden wir beim Vinylrausch zum Beispiel mit Caravans ‘In The Land of Grey and Pink’ irgendwann wieder mit einem ›alten‹ Album machen, dessen Sound für manche Ohren vielleicht nicht gleich vertraut klingen mag.

Für den Vinylrausch ist das gerade richtig, denn uns ist es völlig egal, in welcher Zeit die Musik entstanden ist, wichtig ist nur: dieses fantastische Album klingt von vorne bis hinten wie ein Meisterwerk. Es steckt voller zündender Ideen, stellt fröhliche Pop-Songs furchtlos neben angejazzte Soli und perlende Instrumentalpassagen. Obwohl die Musik sehr durchsichtig organisiert ist, bietet sie in einem mitreissenden Fluss von swingenden, groovenden und hämmernden Rhythmen immer wieder begeisternde Überraschungen. Es ist einfach gute Musik, die in diesem Jahr zufällig 50 Jahr alt wird und deshalb endlich von uns wiederentdeckt werden kann.

Als objektive Information fehlt jetzt noch der Hinweis darauf, das es sich bei Caravans ‘In The Land of Grey and Pink’ um ein herausragendes Beispiel für den schwer zu greifenden ›Canterbury-Sound‹ handelt. Rein subjektiv würde ich es sogar zum Höhepunkt und Maß aller Dinge in dieser Sache erklären.

Diese Frage und ob das Ganze etwas mit ›Nostalgie‹ zu tun hat, können wir dann hoffentlich irgendwann wieder beim Vinylrausch zusammen entscheiden …

Je zäher die Zeit, je krasser die Musik

So langsam geht einen die zähe Zeit ja dann doch an. Das Jahr plätschert vor sich hin, Mails werden immer weniger, Termine immer bedeutungsloser und der Bildschirm saugt einen langsam aber sicher auf.

Eine wirksame Gegenmaßnahme gegen die Untiefen der sozialen Isolation ist Musik, besonders dann, wenn sie krass ist.

Eine schöne Entdeckung, die ausgezeichnete Heilungschancen verspricht, ist das kleine Bandformat von Monika Roscher (Gitarrengöttin!), deren BigBand uns ja sowohl live als auch beim Vinylrausch bereits umgehauhen hat.

In diesem Clip mischt sie Björk mit Adrian Belew – danach kann es nur aufwärts gehen:

Zappadan 4-1 Musikalischer Tribut

Zappadan 2020 – Zum 80. Geburtstag von Frank Zappa

Zappadan #1: Frank Zappa als Radiomoderator im NDR [–> 1974]

Zappadan #2: Nachrufe auf Frank Zappa im deutschen Fernsehprogramm [–> 1993]

Zappadan #3: Sendung bei ByteFM zum Zappaden, den Kosmischen Brocken, der Zappanale etc. am 09.12. um 22:00 Uhr [–> 2020]

Zappadan #4: Mike Keneally berichtet im Interview, dass ihn Frank Zappa bei ihrer ersten Begegnung erschreckt hat.

Zappadan #5: Ein musikalischer Tribut zum 80. Geburtstag von Frank Zappa

[Der Zappadan ist der Zeitraum zwischen Zappas Todestag am 04.12. und seinem Geburtstag am 21.12.]

Gefährliche Leidenschaften

The Tony Williams Lifetime - Turn it Over Frontcover

Einen Vorteil hat der neue Job als ‚Vertriebsleiter‘ für das VINYLRAUSCH MUSIKMAGAZIN dann doch: er ist eine gute Ausrede, um jeden Vinylladen auf dem Weg zu betreten und sich den dort lauernden Gefahren auszusetzen. In Braunschweig ist mir diese schöne deutsche Erstpressung der noch immer herausfordernden ›The Tony Williams Lifetime‹ in die Hände gefallen.

Das gerade 50 Jahre alte gewordene kleine Juwel besticht durch ein auffallend schön schwarzes Cover und drei entscheidende Botschaften: TURN IT OVER (der Titel der Platte), PLAY IT LOUD (die Maxime des Vinylrausch) und PLAY IT VERY LOUD (da werden wir irgendwann auch noch hinkommen).

Und dann ist da ja auch noch die Musik: schwarze Magie in einem linksdrehenden Strudel. Wie gesagt: hervorragend herausfordernd.

Cover Deep Purple In Rock

50 Jahre Deep Purple – In Rock

Cover Deep Purple In RockAm 1. September 1970 in Deutschland erschienen: Heute vor 50 Jahren haben Deep Purple mit ihrem Album In Rock einem neuen, in der Luft liegenden Genre zur Geburt verholfen: dem Hard-Rock mit all seinen daraus entstandenen Ablegern.

Deep Purple In Rock war eine klare Ansage: jetzt ist Schluß mit dem psychedelischen Geflirte mit der klassischen Musik, nach dem vorrangig von John Lord konzipierten *Concerto for Group and Orchestra* geht es jetzt zurück an die harten Sachen. Mit dem improvisierten Gitarrenlärm als Intro zu ‘Speed King’ zeigt Ritchie Blackmoore unmissverständlich an, welches Instrument in dieser Band jetzt das Sagen haben soll.

Zugegeben, nach ‘Bloodsucker’ flirtet der Klassiker ‘Child In Time’ noch einmal mit den Psychedelic-Klängen der gerade vergangenen 60er Jahre, aber in dem energetischen Auf- und Ab des Songs wird der pastorale Sound der Orgel immer wieder von den hohen Schreien Ian Gillans und den zustoßenden Riffs von Richie Blackmore in seine Schranken verwiesen.

Ein echter Klassiker, der heute natürlich besonders Spaß machen wird – und mir in einer schön sauberen 70er Pressung pünktlich zum Jubiläum beim Ausliefern einiger VINYLRAUSCH MUSIKMAGAZIN Exemplare in die Hände gefallen ist.

Goldene Klänge

Selten eine bessere Pressung gehört: der von John Coltrane beeinflußte psychedelische Space-Jazz von Muriel Grossmann klingt auf diesem Album wunderbar durchsichtig und druckvoll.

Das Label RR Gems Records sollte man sich merken – die erste Seite des Doppelalbums hat es hier veröffentlicht:

The Byrds Untitled Cover

Untitled

The Byrds Untitled CoverDer Begriff »Untitled« taucht in der Musikwelt ja schon manchmal auf, meist für Alben, die keinen eigenen Titel haben sondern nur so heißen wie die Band. Unser Untitled-Rausch hat seinen Namen von dem Film Almost Famous von Cameron Crow bekommen: er wollte seinen Film nämlich usprünglich Untitled nennen, vermutlich nach dem vierten Led Zeppelin Album, das ja bekanntlich auch keinen Namen hat, genau genommen also Untitled heißt, häufig aber auch Led Zeppelin IV, Zoso oder Symbols genannt wird.

Cameron Crow hat den Directors-Cut, der eine DVD der Doppel-DVD einnimmt, dann tatsächlich Untitled genannt. In dem Film erzählt er seine eigene Geschichte, in der er als sehr junger Autor für den Rolling Stone seine erste Story schreiben darf. Dafür muss er mit einer Band mitreisen – und diese Band im Film erinnert in den Charakteren und den Spannungen zwischen den Bandmitgliedern schon sehr an Led Zeppelin. Und das, obwohl die Story – der junge Hauptdarsteller versucht mit dem Sänger der Band über den Tod seines Bruders zu reden – seiner Begegnung mit den Allman Brothers entnommen ist.

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