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Zum 25. Todestag von Frank Zappa – Dokumentarfilm KOSMISCHE BROCKEN im Dezember im Kino – Eine Stadt, ein Kino, eine Vorstellung!

So war es 1977 – Der Vinylrausch XV

Gegen Ende der 70er Jahre scheint die Innovationskraft der populären Musik langsam etwas nachzulassen, Rock, Jazz und Soul haben sich in den letzten zehn Jahren in immer neuen Kreuzungen gegenseitig inspiriert und angestachelt – und sich dabei scheinbar verausgabt: Der Rock wird nun von straightem, lautem Punk an seine Herkunft erinnert, der Jazz beginnt etwas komisch zu riechen, wie Frank Zappa feststellte, und die Musik der Schwarzen, der Soul, wird im Disko-Sound von Songstrukturen befreit und mehr und mehr auf den Rhythmus reduziert.

Stomu Yamashta – Go Too

Einiges davon konnten wir auf dem 77er-Rausch nachvollziehen. Stomu Yamashtas Supergroup hat sich auf Go Too schon ausgedünnt und zeigt sich auf der A-Seite vielseitig, aber auch heterogen. Das elektronische, von Klaus Schulze mitkomponierte Intro könnte genauso eine Tangerine Dream, eine ELO oder Alan Parsons-Platte einleiten. Kaum hat man sich in den folgenden Prog-Rock reingehört, wird der nächste Song mit schnell geschlagenen Bässen und hohen Falsettstimmen zu einer Funk-Nummer, auf die eine romantische Ballade voller Disko-Streicher folgt. So soft und gefühlig hat es sich noch auf keinem Rausch angehört… Insgesamt eine doch eher gewagte Mischung an Musikstilen, die bei den gestandenen Go-Fans gut ankam, von Freunden progressiver Musik doch eher verhalten aufgenommen wurde. Aber das ist ja gerade der Lohn und die Herausforderung des Vinylrausches: sich im dunklen Kinoraum, von der kollektiven Disziplin zu konzentriertem Zuhören verpflichtet, auch dem Ungewohnten zu stellen und jeder LP eine Chance zu geben.

Ian Dury & The Blockheads – New Boots And Panties

Ian Dury hatte es dann leichter, schließlich war die LP nach dem Erscheinen über 90 Wochen in den Charts und dementsprechend viele Zuhörer kannten die Platte oder/und verbanden mit ihr Erinnerungen an die aufbrechende Zeit von Punk und New Wave. Auch wenn man die vielen Anspielungen und den Essex-Slang von Dury sicher nicht ganz verstehen konnte, die eingeblendeten Text machten es leichter, dem Wortwitz und den ausgetüftelten Reimen zu folgen. Und nach abwechslungsreichen, groovigen Songs gab es dann am Schluss der B-Seite tatsächlich sogar laut krachenden Punk. Der häufig polarisierende Robert Christgau hat es zu dieser Platte treffsicher auf den Punkt gebracht:
„Seine Musik rockt über traditionellen Blues-Grooves ohne den Arsch der Vergangenheit zu küssen – zart, wild, sexy, exzentrisch, überraschend.“

Am 8. Dezember erscheint übrigens aus Anlass des 40jährigen Jubiläums eine Deluxe-Edition von New Boots And Panties! Das Vinyl wird dabei um 4 CDs ergänzt, auf denen Demos und Outtakes aus dem Studio zu hören sind.

Talking Heads – 77

Das war bei den Talking Heads dann schon wieder vorbei, obwohl sie 1976 zusammen mit den Ramones getourt waren und damals als Punk-Band angekündigt wurden. Die zweite Seite von 77 brachte dann aber mit der typischen reduzierten Rhythmik und dem Verzicht auf Soloinstrumente eher New-Wave Sounds zu Gehör. Eine Musik, die von manchen Kritikern auch als Art-Rock oder sogar Art-Funk (!) bezeichnet wird, und mit nicht unbedingt besser zu verstehenden Nonsens-Texten den intellektuellen Anspruch der New Yorker Punk-Szene unterstrich – siehe Richard Hell und seine von Baudelaire und Verlaine inspirierten Songgedichte bzw. den von Rimbaud inspirierten Haarschnitt. Insgesamt war der Vinylrausch XV damit ein New Wave-lastiger Rausch, aus dem wir nach gut zwei Stunden ohne Nachwirkungen wieder entlassen wurden.
Vinylrausch XV

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